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Letzte Änderung: 23.05.2005


Orion / Synta ED 80 / 600 "Volksapo"

Bedingungen des first light und Beobachtungen:

Seit nun fast zwei Jahren geht ein Gespenst um auf dem Teleskop-Markt: Ein Halbapochromat aus China, der die Vorzüge einer obstruktionsfreien Optik mit einer angeblich brauchbaren Farbkorrektur verbindet - und bezahlbar ist. Das ist das Gerät für mich, denn Brennweite und feine Sternabbildung wären ideal für die Fotografie offener Sternhaufen. Und nach drei Monaten Wartezeit kam gestern der langersehnte Anruf von Robert L. aus H. - und eine klare Nacht!

First Light

Klixdorf, 12.-13. 10. 2004

Beobachtungsbedingungen: Himmelsaufhellung durch Kempen, im Nordosten drastisch. Von Ost-Südost gelegentlich aufziehende Wolkenbänke, die jedoch meist zenitfern durchzogen.

Böiger Wind, starkes Seeing

Den ED wollte ich eigentlich nur auf das Fotostativ setzen, um ein 'flottes' First Light hinzulegen; außerdem traute ich den Wolken nicht. Allerdings ist das Teleskop doch deutlich zu schwer für die leichte Alu/ Plastikkonstruktion, also doch kurzerhand die EQ-6 aufgebaut, grob genordet und Strom druff.

Der ED wurde ohne Schellen geliefert (nur mit Anschluß für eine Fotoschraube... ganz schön optimistisch!), also habe ich ihn in die Leitrohrschellen meiner provisorischen Fotoplattform geknebelt; ohne das Gewicht der Fotoapparate war eine Austarierung in dieser Konstellation völlig unmöglich, was sich im Laufe der Beobachtung durch ein recht hohes Vibrationsaufkommen durch die Schrittmotoren bemerkbar machte, speziell bei höherer Vergrößerung. Das beeinträchtigt leider die Bewertung dieses ersten Tests, denn Beugungsringe bei hoher Vergrößerung bekam ich so nicht zu Gesicht. Das kommt davon, wenn man sich mit dem Verein trifft statt einfach zu beobachten ;-) und es dann eilig hat...

Erster Eindruck beim Justieren des Suchers: Bei 60x (mit Baader 10mm eudiaskopisch) an Wega (sehr hell): Je nach Fokuslage kommen die Farben... Kurzer Schwenk zu eps Lyr: Auflösung in die vier Komponenten, bei dieser kleinen Vergrößerung! Allerdings bei indirektem Sehen ein verwaschener "Nebel" um die Hauptkomponenten: Das liegt nicht an der Optik sondern am Himmel.

1. Objekt: Plejaden

Bei 20x (30mm 2" UWA-Okular mit 80 Eigengesichtsfeld, dafür bescheidener optischer Qualität) gehen die gesamten Plejaden und eine Menge Feld außenrum ins Gesichtsfeld; die hellen Mitglieder des Haufens strahlen und zacken ganz gut, die schwächeren Sterne dagegen zeigen sich quasi ausdehnungslos... man nennt das "refraktormäßig" :-)

Schönes Detail sind die Farben des kleinen Dreiecks dunklerer Sterne (6m3, 8m7 und 8m2) beim sehr hellen (2m9) und deutlich blauweißen eta Tauri (Alkyone) - atemberaubend schön! Leider ist der Himmelsvordergrund hier sehr hell (Kempen), so daß an die Reflektionsnebel nicht zu denken ist.

Bei 40x (Baader 15mm eudiaskopisch) ist diese Gruppe um Alkyone eindrucksvoll: Ein gelb-roter Stern, einer graublau, der dritte weißlichblau, daneben Alkyone selbst mit seinem herrlich blaustichigen Weiß! Kommentar vom Band: "Das schaffte kein Newton, das zeigte mir kein Maksutov, so eine punktförmige Abbildung".

Zum Okularauszug: Der ED kommt mit einem Crayfordauszug - also ein reiner Friktionstrieb ohne Zahnstange und Zahnrad. Dementsprechend feinfühlig, spielarm und shiftingfrei läßt sich das Okular samt 2"-Zenitspiegel bewegen - allerdings ist hier ein Haken: Die Bewegung ist _zu_ leicht. Selbst beim stärksten vertretbaren Anziehen der Einstellschraube kann von "Klemmung" keine Rede sein; beim Schwenk des Teleskops durch eine zenitnahe Position zog das Eigengewicht von Spiegel und Okular den Auszug langsam aber sicher aus dem Tubus und defokussierte somit das Bild - das ist schlecht, speziell wenn ich an meine fotografischen Gelüste denke. (Kommentar vom Band: "Die Sau macht sich selbständig!") Hier ist also Basteln angesagt.

Ansonsten: Gelobt sei China, die Jungs und Mädels hinter dem Bambus-Vorhang haben gelernt, daß anständige Verarbeitung zufriedene Kunden schafft.

2. Objekt: NGC 7209 ("Draguillo") in Lacerta

Bei 20x fällt der Haufen ins Auge, auch die Sternkette ist schon auszumachen (Nils meinte in der Eifel beim Anblick dieses Haufens, daß er die Wabenstruktur des Universums ahnen könnte) - bei dieser kleinen Vergrößerung ist ein naher knallroter (Spekraltyp M4 III) Stern sechseinhalbter Größe mit im Bild und kontrastiert herrlich mit den 10-11 m "hellen" Haufensternen, die wegen ihrer Lichtschwäche farblos weiß wirken.

Bei 40x zeigt "Draguillo", daß mehr in ihm steckt: Die Kette 10m bis 11m heller Sterne ist nun komplett aufgelöst und wirkt wie "dahingehauchte Pünktchen" - so feine Sterne hat selbst das OMC nicht gezeigt! (Auch mit dem leichteren Okular muß ich häufig nachfokussieren, weil 7209 fast genau im Zenit liegt und der Auszug langsam durchrutscht... ärgerlich, aber behebbar)

Bei 60x wird das Bild recht duster, der Haufen wirkt immer schöner. Allerdings: Der gewohnte Sternenhintergrund vor der drachenförmigen Kette will nicht erscheinen - welch Wunder, handelt es sich doch um Sterne unterhalb der 13. Größe; bei aller Begeisterung, das Gerät hat nur 80 mm Öffnung; laut "Tipps und Tricks für Sternfreunde" (Wolfgang Paech + Thomas Baader, SuW-Verlag 2000) ist die theoretische Grenzhelligkeit für diese Optik 11m6. Wenigstens einen 11m36er habe ich auch in der Praxis gesehen - ein weiteres Zeichen, daß ich wohl keine "völlige Gurke" erwischt habe...

3. Objekt: Albireo

Es geht ja heute auch darum, wie die Farbkorrektur des Geräts ist, schließlich soll es sich ja um einen Halbapo handeln... Albireo zeigt sich bei 60x zunächst als Paar aus einem gelblichen Scheibchen mit leicht rötlichem Rand und einer blauweißen Scheibe mit leichtem blauen Saum. Beim Nachfokussieren verstärkt sich intrafokal dieser Eindruck, extrafokal konzentriert sich am gelben Stern das Rot in der Mitte, beim blauen Begleiter wirkt das Zentrum violett - klassisch (beim Einlinser, dem sog. "Chromaten" oder gar an einem Prisma) dürfte das gar nicht sein, da Blau/Violett und Rot in entgegengesetzte Richtung divergieren müssen; also hat bei diesem Gerät tatsächlich der Versuch einer Farbkorrektur stattgefunden. Beruhigend, denn dafür habe ich bezahlt ;-)

Leider wurde auch bei Albireo das Bild nie ganz ruhig, das oben erwähnte Tickern des Motors ist bis in die Stellräder des Okularauszugs zu fühlen. Der hellere (gelbliche, 3m1) Stern bleibt leicht flächig, der schwächere blaue (4m7) dagegen erscheint fast ganz punktförmig - die schwachen Biester ringsrum wirken völlig ausdehnungslos. Gescheit montiert und ausbalanciert (also ohne diesen selbstgebauten Schwingungsgenerator) dürften auch die hellen Sterne sehr viel kleiner werden!

Im 30mm zeigt die helle Komponente deutliche Lichtausbrüche ("Zacken"), was sie im Baader nicht getan hat - wie gesagt, das UWA-Okular ist von bescheidener Qualität, ist aber aufgrund seines riesigen Gesichtsfeldes ideal zum Aufsuchen.

4. Objekt: Hatschi

"Das macht Laune!" Im 30mm bei 20x kommt etwas Gänsehaut: Ich weiß ja nun wirklich wie der Haufen aussieht, er ist jede Nacht dran, wenn er am Himmel steht. Aber noch nie hat der Doppelhaufen mich zu so vielen Detailbeobachtungen eingeladen, noch nie wirkte er so plastisch - bei 60x das kompaktere Haufenzentrum (NGC 869) in der Gesichtsfeldmitte ist der Eindruck gewaltig - alle Sterne "auf den Punkt gebracht", die individuellen Farben der helleren Sterne superleicht auseinanderzuhalten, die kleine Sichel mit dem dominierenden 6m3-Stern wirkt dem Beobachter deutlich näher als die schwächeren Sterne, ohne aber irgendwie flächig abgebildet zu sein. Der 6m7-Stern nahe der "Sichel" entpuppt sich schon bei 60x als Doppelstern, leicht elongiert - "Det gefällt!"

5. Objekt: Beta Tauri (die "nördliche Hornspitze" der Hyaden)

Ein einfacher, mittelheller Stern (1m6) für den Sterntest. In vielen Sternkarten als Doppelstern eingetragen, dies basiert auf einer einzelnen Beobachtung von E.E. Barnard im Jahre 1898, konnte aber von Hipparcos (dem Satelliten, nicht dem Griechen!) nicht bestätigt werden.

Wieauchimmer, ich wollte mal das Vergrößerungsspektrum durchgehen und "endlich" Beugungsringe sehen. Bei 40x wirkt der Stern nicht reinweiß (Spektraltyp B7 III) bei 60x (Baader 10mm eu) fällt bereits wieder das Vibrieren auf. "Ich seh Farbe..." - ein gewisser Restfarbfehler ist da, Mönsch, hätt ich mal zum Vergleich den Fraunhofer-Refraktor von Cheapo mit rausgenommen!

Okularwechsel: Bei 120x (Radian 5mm) bekomme ich immer noch keine Beugungsringe zu sehen - ganz klar ein Problem der Vibration und vielleicht des Seeings. Intrafokal bei 120x ein violetter Rand, extrafokal ist das Violett innen, der Rand wird grünlich. Beim genauen Fokussieren wirkt das Bild aber fast farbfrei...

Runter auf 20x: "Der Himmel ist weiß!" - Kempens Lichtwerk. Wird Zeit für den Umzug :-D

6. Objekt: Nordamerikanebel

Habe nicht damit gerechnet wirklich was zu sehen - bei 20x (für das 2"-Okular habe ich keinen UHC-Filter) ist der Nebel nicht auffindbar, aber ich zentriere den "kleinen Orion" an der Bucht und den "Florida Keys" des Nebels.

Nach Okularwechsel auf 40x und Einschrauben des UHC: Bingo! Klar und deutlich nahe des Gesichtsfeldrandes - das bekannte helle Halbrund, die Bucht von Mexico! Ich kann den Nebel mit der Montierungssteuerung abfahren... in einem Dreizöller, unglaublich!

7. Objekt: Cirrusnebel

Direkt bei 40x und mit UHC ist das Filament um 52 Cygni sofort da, Schwenk nach Osten zeigt sehr eindrucksvoll den kompletten Bogen von NGC 6992, dem helleren Teil des Cirrusnebels. Ein paar hellere und dunklere Knoten tauchen auf - gut so! Höhere Vergrößerung habe ich nicht probiert, vielleicht sind ja sogar noch ein paar Details mehr drin.

8. Objekt: M 37

Tief in der Kempener Lichtsuppe ist die Schönheit dieses Haufens bei 40x nur zu erahnen - immerhin, der Bildausschnitt bei dieser Vergrößerung scheint fast ideal für das Objekt. Bei 60x O-Ton vom Band: "Einzelsterne haufenweise, haufenweise, haufenweise und fein und fein und... nä, also sooo..gar richtig fein!"

Auffallend an der heutigen Beobachtung: Der sonst den Haufen so dominiernde rote 9m2-Stern in der Mitte vor dem Hintergrund soo vieler 11m... Sterne rockt nicht so überdeutlich ins Auge wie mit meinen bisherigen Newtons und Maksutov-Optiken - ich werte das mal als ein Zeichen guten Kontrastes!

Apropos 11m... Sterne: Ich beginne an der oben erwähnten Grenzgröße 11m6 für diese Optik zu zweifeln: M 37 liefert ein dermaßen sternreiches Bild, das dürfte laut Skymap bei dem genannten Größenlimit gar nicht sein!

Bei 80x (Baader 7,5mm eu) wird der Anblick nochmals besser: Der Haufen füllt nun fast das Gesichtsfeld, der Vordergrund wird dunkler, noch mehr Sterne werden sichtbar - leider fällt auch die Vibration nun störend auf. Naja, das ist ein temporäres Problem.

Wenn mir mal jemand gesagt hätte, daß ich mir eines Tages M 37 durch ein 5mm-Okular ansehen würde, ich hätte demjenigen empfohlen, beim Zigarettendrehen das Laminat oder PVC wegzulassen; aber nun ist tatsächlich das 5mm Radian im Zenitspiegel, und der Effekt gegen das 7,5mm ist erstaunlich: Die Vordergrundhelligkeit ist trotz höherer Vergrößerung gleich geblieben - die Transmission dieses Okulars ist gigantisch! Die Sternabbildung dagegen leidet nun erheblich unter der Vibration, ein anderes Mal!

9. Objekt: Andromedagalaxie

Ein stinklangweiliges Objekt eigentlich - aber heute sehe ich wohl das erste Mal die Ausmaße unserer Nachbargalaxie: Ungläubiges Gebrabbel auf dem Diktiergerät:

"Im 30mm scheint die Galaxie quer durchs Bildfeld zu gehen... in der Mitte der übliche innere und äußere Kernbereich, aber in der Scheibenebene - also... kann eigentlich nicht... so groß ist die doch nicht... oder? Aber wirklich, sie scheint sich quer durchzuziehen... Zonierung im Kern, aber nach außen hört sie irgendwie gar nicht mehr auf, das ist sehr verwunderlich! ... Nichtsdestotrotz, ein schöner Anblick, vom Staubband ist nichts zu sehen, also gehe ich davon aus, daß diese... diese extrem weite... Fortführung der Galaxie eine Art Fata Morgana ist, aber... es sieht wirklich so aus, lustig!"

Ich hatte mal gelesen, daß M 31 etwa dreimal so groß ist wie der Vollmond - also 1,5; das Gesichtsfeld der Kombination ED mit dem 30mm-Okular beträgt aber satte 4 Grad! Und nun schlage ich in Skymap nach und staune: Ich habe nicht geträumt, die ist wirklich so groß! (Booaah!)

10. Objekt: M 35

Das von Harald Rottensteiner "Hollywood-Haufen" getaufte Objekt am Nordwestrand von Gemini erschien in der Lichtsuppe völlig unscheinbar, bei 40x hatte ich kaum den Eindruck von einem Sternhaufen.

Gern hätte ich mir noch einen Planeten gegeben, aber Saturn war zu dieser Zeit noch furchtbar tief, und ich war dann doch ziemlich müde und habe dann abgebaut.


Fazit:

Vom ED bin ich nach dieser Nacht weder übermäßig begeistert noch in irgendeiner Form enttäuscht - ich hatte eine Erwartung an das Gerät, auf das ich seit über drei Monaten gewartet habe - und diese Erwartung wurde voll und ganz bestätigt. Eine gegenüber meinen üblichen obstruierten Optiken haarfeine Sternabbildung, ein wahrnehmbarer aber nicht schlimmer Restfarbfehler - und das für einen sehr moderaten Preis. Es ist ein Chinese, kein Zeiss oder Astro Physics! Ich bereue nicht und freue mich auf die ersten Fotos mit dem Gerät - denn dafür habe ich den kleinen Refraktor ja eigentlich gekauft!



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