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Letzte Änderung: 24.03.2005


Das STF Mirage 7" Maksutov-Cassegrain


Im Frühjahr 2004 lieh mir Robert Lebek / House of Optics Germany für mehrere Monate (!) ein STF - wir hatten uns auf einem Teleskoptreffen der IG Astronomie kennengelernt, und meine Begeisterung für das OMC 140 veranlaßte Robert, mir sein STF für einen ausgedehnten Test zu überlassen.

Das STF Mirafe 7

Es war diese Leihgabe, die mich letztlich bewegte, das OMC zu verkaufen; das Öffnungsverhältnis des STF ist für meine Zwecke (Deep Sky) einfach geeigneter, und mehr Öffnung ist ja auch nicht zu verachten. Das STF hat es mir einfach angetan!

Beobachtet habe ich recht wenig in dieser Zeit - einmal wegen des bekannten niederrheinischen Wetters; vor Allem aber, weil ich die klaren Nächte mit Astrofotografie verbracht habe - auch durch das STF. Höhepunkt war der Urlaub auf der Emberger Alm im Mai 2004 - noch einmal vielen Dank, daß ich das geliehene Gerät dermaßen "extrem" ausprobieren durfte!

Ein ausführliches "First Light" mit vielen beobachteten Objekten und deren Eindruck im STF findet sich im zweiten Teil des Berichts; zuerst möchte ich meinen Gesamteindruck des Systems schildern.

Wie man es von einem Maksutov-Cassegrain erwartet, ist das Teleskop sehr handlich - die Baulänge des Tubus inclusive der aufgeschraubten Taukappe beträgt 69 cm, die Taukappe selbst macht davon knapp 19 cm aus. Dazu kommt nach hinten noch der 5,5 cm lange Fokussierknopf - über diese Mißgeburt wird noch zu reden bzw. schreiben sein. Der Tubusdurchmesser beträgt 20,9 cm - bedenkt man, daß der Hauptspiegel eines Mak immer größer ist als die "freie Öffnung" (freie Öffnung beim 7"er: Rund 180 mm), so zeigt sich schon, daß zwischen Tubusinnenwand und dem Hauptspiegel recht wenig Platz ist - was zur zweiten Schwachstelle an diesem Teleskop führen wird. Das Gesamtgewicht des Teleskops inclusive Adapterplatte für meine EQ-6 und dem (sehr schönen!) 10x50 - Sucher beträgt 8,5 kg. Das moderate Gewicht (für eine russische Konstruktion), die geringen Abmaße und der stabile Handgriff, der oben auf den Tubus geschraubt ist, machen das Handling des STF sehr angenehm.

Meniskuslinse und Hauptspiegel - aber keine Tubusblenden

Tubus und Taukappe (beides aus Aluminium) sind ordentlich geschwärzt, jedoch fehlt ein Innenblenden-System, wie es etwa bei Intes Micro eingebaut wird - anhand obiger Maße erklärt es sich ganz leicht: Dafür ist gar kein Platz im Tubus! Dieser ist außen rauh cremeweiß lackiert - sicher kein Nachteil gegenüber den sonst eher üblichen Glanzlackierungen. Auf der Meniskuslinde leuchtet einem die grünliche Mehrschichtvergütung entgegen; okularseitig findet sich der normale SC-Anschluß, der besagte viel zu lang geratene Fokussierer und eine Rückverkleidung aus einem Material, das anscheinend aus dem Autobau (Cockpitverkleidung) stammt. Diese Verkleidung könnte ich zum Auskühlen abnehmen, sagte Robert - nun, das habe ich gelassen. An einem Leihgerät wird nicht geschraubt!

Ok, nach diesen Äußerlichkeiten mal zum Eindruck am Himmel! In der ersten klaren Nacht (naja, eher "wolkenlückig") habe ich das Gerät immer wieder wechselweise mit dem OMC auf die Montierung geworfen, um am gleichen Himmel und den gleichen Objekten einen direkten Vergleich zu haben. Und innerhalb weniger Minuten bin ich an zwei echte Schwachpunkte des Systems gestoßen, um nicht zu sagen Ärgernisse - Ärgernisse, weil beides mit etwas mehr Nachdenken bei der Konstruktion vermeidbar gewesen wäre:
  • Schlimmes Tubusseeing. Mein erster Eindruck war der eines verspannten Hauptspiegels.
  • Der überlange Fokussierer ist ständig im Weg!
Einen fünfeinhalb Zentimeter langen Fokussierer braucht kein Mensch, Flexibilität bei der Ausrichtung des Zenitspiegels dagegen jeder. Und genau das verhindert der "Pinörkel". Zweitens (das zeigte sich bei der fotografischen Nutzung) ist das Aufschrauben eines Off-Axis-Guiders ohne "Überfurf" auf das SC-Gewinde unmöglich - eben weil der Wurmfortsatz im Wege ist. Habe ein etwas blödes Gesicht gemacht, als ich es versuchte...

Meiner ist lšnger!

Was das Tubusseeing angeht: Maks (und SC-Teleskope) sind natürlich nichts zum Aufstellen und Loslegen, diese Systeme wollen erstmal auskühlen, das bin ich gewohnt. Allerdings ist das STF in doppelter Hinsicht stärker betroffen als z.B. das OMC: Erstens ist der Seeing-Effekt besonders groß - das liegt an oben erwähntem zu knappen Abstand zwischen Tubusinnenwand und Lichtkegel (Hauptspiegeldurchmesser!). Hier hätten einige Millimeter mehr Durchmesser gutgetan - ein halbes Kilo mehr Teleskopgewicht durch einen größeren Tubus zugunsten einer erheblich besseren "Usability" des Teleskops wäre wohl jeder bereit zu "verschmerzen". Die Verwirbelungen zwischen noch warmer und an der Tubuswand abgekühlter Luft sind ja am ärgsten außen am Tubus. Zweitens: Wegen der engen Bauweise und der bekannten Eigenart von Nächten, bis zum Sonnenaufgang in aller Regel immer kälter zu werden, ist das STF erst nach vielen Stunden einigermaßen im Gleichgewicht - das OMC dagegen ist stets nach spätestens einer Stunde für höchste Vergrößerungen fit gewesen.

Glücklicherweise sind beide Mißstände durch etwas Bastelarbeit zu beheben: In besagte Rückwand kann man bequem einen oder mehrere Lüfter einbauen, die das Auskühlen beschleunigen. Und den Fokussierer - naja, den sollte man mit etwas Geschick kürzen können. Natürlich fielen für mich am Leihgerät beide Optionen aus.

Soviel zur Kritik - nun zur positiven Seite des Geräts, nämlich der Optik! Im direkten Vergleich zur Sternabbildung im f/14,3 OMC braucht sich der Russe nicht verstecken; sicherlich werden feinoptische Meßverfahren den Einfluß der gegenüber dem OMC größeren Obstruktion beweisen können, in der Praxis jedoch zeigte auch das STF haarfeine Sternpünktchen - weit von der üblichen Wiedergabe in SC-Teleskopen entfernt. Lediglich bei Vergrößerungen > 100x machte sich das Tubusseeing bemerkbar; kurz vor Sonnenaufgang war das STF ausgekühlt und auch hohe Vergrößerung machte richtig Spaß - und nun konnte das STF seine gegenüber dem OMC größere Öffnung auch in Sachen Auflösungsvermögen z.B. an den Planeten ausspielen.

Grenzgenial - der Sucher

Ein sehr gelungenes Detail sind Sucher und -halterung; der 10x50-Sucher selbst hat ein in der Mitte unterbrochenes Fadenkreuz - damit der Suchstern nicht immer verschwindet. Sehr nett. Falls unter sehr dunklem Himmel wiederum das Fadenkreuz verschwindet, kann man es beleuchten - mit einer normalen Beleuchtungseinheit etwa für Fadenkreuzokulare oder aber auch mit einer Eigenbau-Lösung. Auch nett. Von diesen Gimmicks abgesehen ist die Optik hervorragend, fast ein kleines Teleskop; die von mir sonst benutzten lichtstarken 8x50er aus China wirken dagegen wie billiger Dreck. Auf der Emberger Alm konnte ich durch diesen Sucher beide Außenteile des Cirrus-Nebels direkt sehen - Wahnsinn! An welcher Stelle man den Sucher am Tubus anbringt ist übrigens jedem selbst überlassen - es gibt zwei "Steckplätze". Die Art der Montage gewährleistet, daß der Sucher nach Abnehmen und Wiederanbringen (auf dem gleichen Steckplatz) gleich justiert ist (normale Behandlung und Lagerung des Suchers im Halter vorausgesetzt) - ein einfaches aber nützliches Detail.

Zurück aber zur Hauptoptik: In Sachen "Deep Sky" bei moderaten Vergrößerungen gefiel mir das Gerät sehr schnell; Blende 10 ist hier sinnvoller als f/14,3 beim OMC, und die 1,5 Zoll mehr Öffnung schlugen sich bei den Deep-Sky-Objekten drastisch nieder. Speziell in Sternhaufen wuchs die Beobachtbarkeit und Detailfülle mit der Grenzgröße der Optik sprunghaft an, flächige Objekte (Nebel, Galaxien) gewannen gegenüber dem OMC deutlich an Kontrast zum Himmelshintergrund und wurden teilweise nur im STF sichtbar. Viele der beobachteten Objekte erinnerten eher an den Anblick in lichstarken Newton-Systemen als an den im kleineren Mak, ohne daß die Sterne "newtonmäßig" fransten. Wunderbar! Je weiter die Nacht vorrückte, umso mehr wurde mir klar, daß meine Zeit mit dem OMC abgelaufen war. Den Schlußpunkt der Beobachtung setzte der Vergleich von OMC und STF am Sternhaufen NGC 7209: Während das OMC fast nur die dem Sternbild Drache ähnliche Sternkette auf einem leicht angehellten Hintergrund zeigte, tauchten im STF schätzungsweise 100 oder mehr zusätzliche schwache Einzelsterne aus diesem Hintergrund hervor, während die hellen Vordergrundsterne nur an Helligkeit, aber nicht an Durchmesser gewannen - solche direkten Vergleiche sind es, die einem das eigene Teleskop abspenstig machen.

Fazit: Das STF ist Sternfreunden uneingeschränkt zu empfehlen, die
  • keine Angst vor kleineren Bastelarbeiten haben und sich der beiden Mißstände dieses Geräts annehmen können,
  • eine ästhetische Sternabbildung wollen - fast refraktorfein, aber ohne Farbfehler,
  • sich einen Apo gleicher Öffnung nicht leisten können (wer kann das schon?) und
  • vorwiegend Deep-Sky-Ambitionen haben, ohne auf gute Planetenabbildung verzichten zu wollen.
Tja, und da alle diese Punkte auf mich zutreffen, wird - sobald die Kasse es hergibt - ein solches Gerät mir gehören. :-)

Fotografische Ergebnisse werde ich einbinden, sobald ich mit den Scans und Nachbearbeitungen fertig bin - etwas Geduld bitte!



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